Bibel und Koran - Wie ähnlich sich die Heiligen Schriften sind

Posted in Audio/Video, Wissenswertes, Religion, Gesellschaft by antistaat on the April 5th, 2008

Die einen stellen die Botschaft des menschgewordenen Sohn Gottes, Jesus Christus, in den Mittelpunkt. Die anderen stützen ihren Glauben auf die Lehren des Propheten Mohammed. Doch trotz vieler Unterschiede haben die beiden großen Weltreligionen, das Christentum und der Islam, mehr gemeinsam, als oft angenommen wird.

Vor allem orientieren sich die Gläubigen beider Religionen jeweils an einer Heiligen Schrift: Für die Christen ist es die Bibel, für die Muslime der Koran. Beide Bücher sind jahrtausendealte Schriften. Doch ihre Botschaft ist nicht immer ganz eindeutig, weshalb ihre Inhalte auch zum Teil unterschiedlich ausgelegt werden.

Die Texte des Alten und des Neuen Testaments stammen aus der Zeit zwischen 600 vor und 500 nach Christus. Der Koran wurde dagegen später verfasst: Seine Verse entstanden mehr als 100 Jahre nach den jüngsten Texten der Bibel.

Bibel und Koran - Gebote des einen Gottes

Nach muslimischem Glauben hat Mohammed auf dem Berg Hira in der Wüste der arabischen Halbinsel, nahe Mekka, eine Begegnung mit dem Engel Gabriel gehabt. Dieselbe Gestalt wird von den Christen als der Erzengel Gabriel verehrt. Mohammed erhält von dem Engel die Botschaft Allahs. Sie besagt, dass Allah der einzige Gott ist und Mohammed sein Prophet. Dies war die Geburtsstunde des Islam. Die Botschaft des Engels gibt Mohammed im Laufe seines Lebens an diverse Autoren des Korans weiter, er selbst ist vermutlich Analphabet gewesen. Nach dem Tod des Propheten wurden die Texte in Abschnitten, so genannten Suren, zusammengefasst.

Die Bibel existiert zu dieser Zeit bereits. Sie und der Koran haben dieselben Wurzeln, viele ihrer Geschichten ähneln sich. Beide Bücher berichten über Jesus, Moses, Johannes den Täufer sowie zahlreiche Menschen und Ereignisse aus dem jüdischen Talmud.

Zwei Varianten des Sündenfalls

Beide Lehren kennen nur einen Gott, der gleichzeitig der Schöpfer der Welt ist. Sowohl in der Bibel als auch im Koran erschafft Gott das Licht, das Wasser, die Pflanzen, die Tiere und schließlich den Menschen.
Die Beschreibung des Sündenfalls ähnelt sich in beiden Büchern sehr. Sowohl Koran als auch Bibel berichten von Adam und Eva. Allerdings überredet in der Bibel die Schlange Eva zum Essen der verbotenen Frucht. Danach verführt Eva Adam zur Sünde. In der Bibel hat also die Frau zuerst gesündigt. Ein wenig anders erzählt der Koran dieselbe Geschichte: Nicht Eva verführt Adam, sondern Satan selbst. Er bringt Mann und Frau gleichzeitig zu Fall. Anders als in der Bibel ist Eva nicht die Verführerin, sondern die – gleichberechtigte – Verführte.

Eine weitere Parallele zwischen beiden Büchern ist die Tatsache, dass Moses für Christen und Muslime ein wichtiger Gesandter Gottes und eine Schlüsselfigur ist: Er überbringt den Gläubigen beider Religionen die zehn Gebote Gottes. Jene Grundwerte verbinden Islam, Christentum und das Judentum unwiderruflich.

Bibel und Koran - Grundgedanke der Nächstenliebe

Auch Jesus taucht sowohl in der Bibel als auch im Koran auf. Für die Christen ist er der menschgewordene Sohn Gottes, der vom Tode auferstand und in den Himmel fuhr. Im Koran nimmt Jesus ebenfalls eine zentrale Rolle ein – als Prophet und Vertreter des Evangeliums. Daneben sind in beiden Büchern solche angeblichen göttlichen Wunder wie Marias Empfängnis und die Jungfrauengeburt überliefert.

Rechtfertigt der Koran Gewalt?

Vor allem ähneln sich die Botschaften von Bibel und Koran in ihren Grundgedanken. Nächstenliebe und Fürsorge spielen dabei eine tragende Rolle. Die Menschen sollen sich gegenseitig kein Leid zufügen und einander respektieren. Das Problem: Beide Bücher lassen sich jeweils auch unterschiedlich auslegen. Beispielsweise rechtfertigen islamitische Fundamentalisten ihre Gewalttaten mit Stellen aus dem Koran. Derjenige, der in Allahs Namen einen Krieg geführt hat, stehe bei Gott in höherem Ansehen und komme ins Paradies – so heißt es in einer Sure des Korans, die allerdings auf mehrere Arten gedeutet werden kann. Ist dieser Satz tatsächlich eine göttliche Rechtfertigung für Gewalt? Um die Aussage richtig einschätzen zu können, muss man auf die Geschichte des Islam zurückblicken. Auslöser für die Sure ist die Situation der jungen muslimischen Gemeinde vor 1400 Jahren.

Die Schlacht bei Badr

In der Schlacht bei Badr kämpften die Muslime gegen das herrschende Volk der Mekkaner. Denen missfiel die damals neue Lehre Mohammeds, dass es nur einen Gott gäbe. Denn sie selbst verehrten zu jener Zeit mehr als 360 Götter. Die religiösen Oberhäupter Mekkas sahen Mohammed und seine Anhänger als Bedrohung ihres Polytheismus an und vertrieben sie auf brutale Weise aus der Stadt. Die Muslime flohen durch die Wüste nach Medina, beratschlagten dort und fassten den Entschluss, sich gegen die Mekkaner zur Wehr zu setzen. Allah, so glaubten sie, würde diese Selbstverteidigung unterstützen. Im Koran wird von dieser Begebenheit berichtet.

Heute dient diese Koranstelle religiösen Extremisten oft als Rechtfertigung für ihren „Heiligen Krieg“. Allerdings widerspricht diese Interpretation dem Grundgedanken der Selbstverteidigung – und steht somit im Widerspruch zu den Lehren Mohammeds.

Quelle: weltderwunder.de