Freitag, 4. Juli 2008
Hier einige gesammelte Links der letzten Tage, deren (möglicherweise lediglich subjektive) Wichtigkeit höchstwahrscheinlich wieder einmal im alltäglichen Durcheinander untergeht.
Angefangen mit einem bemerkenswerten, themenübergreifenden Beitrag von Gert Flegelskamp auf seiner Seite www.flegel-g.de.
Einige Auszüge:
..Die Vorkommnisse in den USA (11.9.) oder auch in Großbritannien (U-Bahn Anschläge) werden als Beweise angeführt, aber eine wirkliche Aufklärung der Vorgänge wird explizit verhindert. Man geht davon aus, dass die Bevölkerungen mehrheitlich nie auf die Idee kommen würden, dass die eigenen Regierungen solche Massaker veranstalten, aber mich erinnern die Vorgänge um die al Qaida fatal an Gladio. In Gladio waren die meisten europäischen Länder, die NATO und die CIA verwickelt und lediglich in Italien haben einige Politiker ihre Verquickung zugegeben oder besser gesagt, dort konnten die Verquickungen der Politiker mit den Aktivitäten durch Gladio absolut bewiesen werden. Dass alle EU-Länder incl. CIA und NATO darin verwickelt waren, wurde zwar nach der Aufdeckung bestätigt, brachte aber keine Politiker, keine Geheimdienstler und keine NATO-Beamte auf die Anklagebank. Die Geheimoperation von Gladio wurde lediglich als beendet erklärt. Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, ob das Massaker auf dem Oktoberfest 1980 Gladio zuzuordnen ist oder nicht. Seltsam, einer der Drahtzieher in der BRD, der bereit war, auszusagen, wurde einen Tag vor der Vernehmung durch den Staatsanwalt in seiner Zelle erhängt aufgefunden. Angeblich wurde Gladio 1990 aufgelöst. Wirklich?
Eines hat Gladio bewiesen: Politiker sind bereit, für die Erzeugung einer bestimmten Stimmung in der Bevölkerung Anschläge gegen das eigene Volk zu veranlassen und haben mit den eigenen Geheimdiensten immer eine echte Terrorgruppe an der Hand, die solche Anschläge planen und durchführen. Die Anschläge des 11.9. und die U-Bahn Anschläge in London, weisen eine Menge Ungereimtheiten auf. Zahlreiche Indizien deuten darauf hin, dass diese Anschläge von den eigenen Regierungen beauftragt und im Auftrag der eigenen Geheimdienste ausgeführt wurden. Man verlässt sich darauf, dass diejenigen, denen diese Ungereimtheiten auffallen, in der Regel eine Minderheit darstellen und die Mehrheit der Bevölkerung die offizielle Version schluckt…
..Familie? Heute doch weitgehend mit einem Kino vergleichbar. Zumindest am Abend sitzt man gemeinsam vor der Flimmerkiste (von wenigen Ausnahmen abgesehen). Mag das Programm auch grottenschlecht sein, man schaut es sich an. Dass damit eine gezielte Beeinflussung betrieben wird, erreicht das Bewusstsein der meisten Menschen nicht mehr. Fernsehen verengt die Wahrnehmungsfähigkeit und schottet die Menschen voneinander ab. Fragen sie die Menschen nach bestimmten Schauspielern oder Filmen und Sie bekommen detaillierte Antworten. Aber fragen Sie sie nach bestimmten politischen Ansichten oder Ereignissen und sie geraten ins Stottern. Fragen Sie die Menschen auf der Straße nach der Funktionsweise des Rentensystems und Sie werden nur Wenige finden, die eine halbwegs vernünftige Aussage machen können, aber sie werden viele Antworten bekommen, die auf die Propaganda der Medien und der Think Tanks schließen lässt. Dabei geht uns dieses Thema alle etwas an.
Wenn Angela Merkel behauptet, dass die Arbeitslosen die Stromkosten ersetzt bekommen, schreien nur die Arbeitslosen auf, denn sie wissen es besser. Wenn Herzog behauptet, die Alten plündern die Jungen aus, fallen diese Aussagen auf fruchtbaren Boden, obwohl eigentlich für jeden sichtbar die Alten seit Jahren ausgeplündert werden und sich die Plünderung in der Zukunft für die heute Jungen verheerend auswirkt, nicht wegen der Schuld der Alten, sondern wegen einer aggressiven Politik gegen die Bevölkerung.
Demokratie überzeugt nicht mehr konnte man in den verschiedensten Zeitungen lesen. Aber diese Aussage ist so falsch, wie der Hinweis auf die Demokratie in diesem Land. Es gibt sie nicht, die viel zitierte Demokratie. Mir hat dieser Kommentar zu dem Artikel gefallen, drückt er doch aus, was die Wirklichkeit ist…
Den vollständigen Beitrag hier lesen.
Wissenswertes zur Beeinflussung durch Medien und Werbung:
- “Werbung hinterlässt Spuren” - Psychiater warnt: Werbung macht Kinder unglücklich
- Duftfrausch im Supermarkt: Lockstoffe verleiten zum Kauf
- Hirnforschung und Medien - Wie uns das Fernsehen zu Kindern macht
- Medien und ihre Macht der Manipulation
- TV ist das Delirium des 21. Jahrhunderts
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Weiterhin aktuell, der Iran und sein Atomprogramm, bzw. die Drohgebärden des Westens/Israel dagegen. Dazu einige Artikel der letzten Tage:
Pentagon: Israel wird Iran bald angreifen
ABC meldet, dass ein israelischer Angriff noch in diesem Jahr möglich sei. Der US-Fernsehsender beruft sich auf einen Sprecher des Pentagon…..Der Pentagon Sprecher spezifizierte zwei mögliche Gründe, wann die Israelis zuschlagen würden:
Der erste sei, wenn die Urananreicherungsanlage im iranischen Nantaz genügend angereichertes Uran produzieren könne. Nach israelischen Geheimdienstinformationen sei dies aber erst in 2009 möglich. Das Überschreiten der “roten Linie” wäre jedoch nicht, wenn die Iraner dazu in der Lage seien, sondern bevor sie die Möglichkeit dazu hätten. Und das spräche für einen Angriff noch in 2008.
Die zweite “rote Linie”, die nach Überschreiten einen Krieg auslösen könnte, wäre der Erwerb von SA-20 Luftverteidigungssystemen aus Russland. Die Israelis würden vorher angreifen, weil nach Installation des Abwehrsystems ein Angriff schwieriger sei.
- Pentagon: Israel wird Iran bald angreifen
- Gerüchte über Angriff Israels auf Iran brodeln weiter
- Gesucht: Kriegsgrund gegen den Iran
- “Töten und entführen” - CIA-Kommandos im Iran
..Ausgeführt wurden diese durch den Kongress legitimierten Aktionen durch “Stellvertreter”- (”proxy”-) Armeen, also Söldnermilizen, angeführt nach Angaben der Bush-Regierung ausschliesslich durch Agenten der CIA.
Rekrutiert werden die Söldner u.a. aus der arabischen Minderheit der Ahwazi und der Balutschen, die sowohl auf dem Territorium der Atommacht Pakistan, als auch im Iran leben. Auch ist von einer “obskuren Basis im Westen von Afghanistan” (”obscure base in western Afghanistan”) die Rede, von der die Operationen im Iran ausgehen.
Seit Herbst 2007 dringen US-geführte Kommandos auf Befehl des Präsidenten George Bush aus Irak und Afghanistan regelmässig in den Iran ein um Mitglieder eines Zweigs iranischen Militärs, der “Revolutionsgarden” zu entführen und zwecks Verhören nach Irak zu schaffen.
Ebenso fungieren sie als Todesschwadronen, welche “hochrangige Ziele” in den Iran “verfolgt” (”hot pursuit”) und durch gezielte Exekutionen ausschaltet…..Nun ist aber innerhalb des US-Militärs und in den Fluren von Washington bekannt geworden, dass ausser den CIA-geführten Einheiten auch hochgeheime Spezialkommandos des US-Militärs vom “Joint Special Operations Command” (JSOC) auf direkten Befehl von Präsident Bush und unter direkter Kontrolle von US-Vize Dick Cheney im Iran operieren.
Diese Einsätze wurden in den letzten Monaten massiv ausgeweitet und erfolgten ohne Wissen, Zustimmung oder Kooperation von Kongress, US-Zentralkommando CENTCOM und sogar US-
Verteidigungsminister Robert Gates…
- Die Hersh-Bombe
- USA richten Militärstützpunkte an Grenze zu Iran ein
- “Niemals hat Iran Israel mit Angriff gedroht”
- Atomstreit in Nahost - Israel fürchtet den Erstschlag
- Ein Angriff auf den Iran lohnt sich kaum
- «Der Iran zeigt Israel seine eigenen Widersprüche auf»
- Geraten die Börsen in den Vorkriegsmodus?
- Iran ‘digging 320,000 graves for invaders’
Ein Krieg zwischen einer US-geführten Allianz und dem Iran wird wahrscheinlicher. Nach Presseinformationen hat die Regierung in Teheran jetzt einen „passiven Verteidigungsplan“ in Kraft gesetzt. Bislang sind jedoch nur Andeutungen über den Umfang der Abwehrmaßnahmen an die Öffentlichkeit durchgedrungen. Zugleich will der US-Fernsehsender ABC Informationen über einen Zeitplan für den möglichen Angriff erfahren haben. Die Regierung in Washington dementierte dies. Ein US-Marinekommandant äußerte dagegen sogar, die Nato-Verbündeten sollten sich auf einen Krieg vorbereiten…
- Iran setzt „passiven Verteidigungsplan“ in Kraft
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Weiter. Bin Laden - Pakistan hat offenbar “grünes Licht” gegeben, und die CIA darf sich endlich auch offiziell dort austoben.
CIA-Bericht - Bin Laden wird bald sterben
Lange war es ruhig um Osama bin Laden. Der Terrorfürst ist abgetaucht. Irgendwo in den Bergen Afghanistans wird der Chef der Terrororganisation Al Qaida vermutet. Die USA können die Jagd nach bin Laden bald aber womöglich aufgeben. Denn der Terrorist hat offenbar nur noch wenige Monate zu leben…
..wenn er nicht bereits längst tot ist.
..Wir wetten auf das Ergebnis: Im Laufe des Jahres, noch vor den Wahlen in den USA, wird ObL angeblich gefunden, zerpulvert und erledigt. Da man nach der Bombardierung wohl nur noch Reste eines verbrannten Turbans finden wird, kann man natürlich viel behaupten…
- Bin Laden wird bald sterben
- Bombenstimmung beim CIA
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Sonstige lesenswerte und interessante Funde der letzten Tage:
- Wie die Tagesschau den Kriegshaushalt 2009 schönredet
- “Der Mensch braucht keinen Krieg!”
- Die Amerikanisierung der Finanzmärkte und ihre Folgen
- Gazprom-Chef: Verdopplung der Gaspreise auf 1000 Dollar möglich
- Weniger ist mehr? - Die Turbomilchkuh
- Kollaps der weltweiten Fischerei
- Irre: Forscher wollen natürliches Nährstoffgas Kohlendioxid unter der Erde lagern!
- „Kein Blut auf meinem Handy“
- Griechenland und die Freimaurerei
- Google muss Youtube Log-Dateien preisgeben
Abschliessend: Die vier Regeln des Kapitalismus ->
Der Kapitalismus ist eine tolle Sache! Er hat uns Mikrowellen, Farbfernseher, HiFi-Anlagen, Geschirrspülmaschinen, Handys, Faxgeräte, Quarzuhren, Autos mit Airbag und ABS, Playstations und Nintendo, Satellitenschüsseln, unzählige Fernsehkanäle, Filme auf Video und DVD, Surround Sound, Digitalkameras, Computer, das Internet und viele andere schöne und nette Sachen beschert. Wie hatte man nur früher ohne diese Dinge auskommen und glücklich sein können? Man ist geneigt, von einer Erfolgsstory zu sprechen. Was bedeutet nun konkret Kapitalismus? Wie bei allen Ismen verrät schon allein der Name den Sinn der ganzen Veranstaltung und man möchte vom Angepriesenen logischerweise auch möglichst viel besitzen. Beim Sozialismus möchte man möglichst viel an Sozialem haben, beim Nationalsozialismus an Nationalem, beim Islamismus oder Katholizismus möglichst viel an richtigem Glauben, beim Kommunismus Kommunales, also möglichst viel an “allen gehört alles” und beim Kapitalismus natürlich möglichst viel an Kapital, um daraus mehr und immer mehr zu machen. Und deshalb ist der Kapitalismus auch so schön, denn wer hätte nicht gerne immer mehr davon - Sie etwa nicht? …
..hier weiterlesen.
Bis die Tage! ![]()
Showdown mit Iran - Kein Ausweg mehr?
Vordergründig scheint es um Irans Atomprogramm zu gehen. Doch in Wirklichkeit dreht sich alles um Macht und Einfluss im Nahen und Mittleren Osten. Die USA und Iran haben sich in Positionen manövriert, die kaum noch einen Ausweg lassen und geradewegs auf einen neuen Krieg am Golf zusteuern. Die Dokumentation “Showdown mit Iran” zeigt die starren Haltungen der Hardliner auf beiden Seiten.
Zu Wort kommt General Mohammed Jafari, stellvertretender Leiter des Nationalen Sicherheitsrates in Iran. “Jedem, der uns angreift, wird es Leid tun”, sagt er in seinem ersten Fernsehinterview. Jafari war vor einem Jahr Ziel einer Razzia amerikanischer Spezialeinheiten im Irak, weil er dort angeblich Terroristen trainierte und unterstützte.Jafari entkam und sass wenige Monate später bei einer internationalen Konferenz US-Aussenministerin Condoleezza Rice gegenüber. Auf der anderen Seite, in Washington, werden die Stimmen der Falken immer lauter, die noch vor Ende der Amtszeit von Präsident Bush den Einmarsch in den Iran fordern. “Die Diplomatie versagt, dem Iran muss eine Lektion erteilt werden”, sagen sie.
Dezidiert zeigt die Dokumentation die geheimen Strategien auf, mit denen beide Seiten die Situation eskalieren lassen. Teheran unterstützt mit Waffen und Sprengstoff massiv Terroristen im Irak. Die USA dagegen schützen und stärken die MEK, eine fast vergessene, ebenso extremistische Splittergruppe von Mujaheddin im Irak und inIran, um das Land zu destabilisieren und die Regierung in Teheran zu schwächen. Der Konfrontationskurs Washingtons und der Einmarsch in den Irak hat die Reformkräfte in Iran geschwächt und massgeblich dazu beigetragen, den Hardliner Ahmadineschad in Teheran an die Macht zu bringen, so eine These des Films.
Die Kriege am Golf haben den Mittleren Osten gravierend verändert, sagen Analysten - zugunsten des Iran. Kein Wunder, dass genau jene Falken, die Amerika in den Irakkrieg trieben, auch jetzt wieder die Kriegstrommeln schlagen. Nur das Desaster im Irak, so der Iran-Experte Hillary Mann, hat verhindert, dass schon heute amerikanische Soldaten im Iran stehen.
Tabuthema Uranmunition – warum spielen unsere Medien da mit? - Das leise Sterben nach dem Krieg
Im Januar 2001 führten deutsche Medien wochenlang eine aufgeregte Debatte über den Einsatz von Uranmunition, vor allem bestehend aus abgereichertem Uran (DU). Der Spiegel berichtete ausführlich über die »geheimen Gefahren der Uran-Munition« und den »tödlichen Staub«, den sie hinterlasse und der sowohl die eigenen Soldaten als auch die Bewohner der Einsatzgebiete schädige (3/01, 4/01). Alle Tageszeitungen und Hauptnachrichtensendungen waren dabei. Verteidigungsminister Rudolf Scharping stand unter massivem Druck.
Es war das letzte Mal, dass die breite Öffentlichkeit mit diesem Thema behelligt wurde: Wenig später verschwand es in der Versenkung. Ein einflussreiches Medium hatte vehement für die Beendigung der Diskussion gekämpft: Die Zeit. Gero von Randow, damals Politikredakteur und heute Chefredakteur von Zeit Online, rügte die Journalistenkollegen als »Panikmacher« (3/2001). Die Verknüpfung von Uranmunition und diversen Krankheitsbildern wies er zurück; die Radartechnik stelle ein größeres Risiko für die Soldaten dar als DU.
Interessant dabei ist, dass auch der ehemalige Chefredakteur und Herausgeber der Zeit, Theo Sommer, bei dem Thema eine Rolle spielte – und zwar eine durchaus politische. Sommer, zu jener Zeit Editor-at-large und Beiratsmitglied der Zeit, war für Rudolf Scharping offenbar eine solche Vertrauensperson, dass er von ihm im Januar 2001 als Chef einer Kommission eingesetzt wurde, die die Gefährlichkeit der Uranmunition untersuchen sollte. Der »Arbeitsstab Dr. Sommer« – darin noch FAZ-Kollege Nikolas Busse, ein Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und eine ganze Reihe Militärs – wertete vorhandene Literatur und Akten aus, führte Interviews mit Experten und gab im Juni Entwarnung. Gern schrieb Gero von Randow in der Zeit ausführlich darüber (»Die Blamage der Alarmisten«, 26/2001), denn die Zeit hatte es ja schon ein halbes Jahr vorher gewusst.
Alphastrahler mit geringer Reichweite
Dass Uranmunition tonnenweise im Irak 1991 und 2003, auf dem Balkan 1995 und 1999 und in Afghanistan seit 2001 verschossen wurde und wird, bestreitet inzwischen – anders als Anfang der 90er Jahre – niemand mehr. Laut Pentagon und Uno wurden 1991 im Golfkrieg zwischen 330 und 375 Tonnen Uranmunition eingesetzt, im Irakkrieg seit 2003 2.200 Tonnen. Für Kosovo, Bosnien und Serbien schwanken die Angaben der Nato zwischen 11 und 20 Tonnen.

Kind mit bösartiger Neubildung durch Uranmunition
Für Afghanistan gibt es keine offiziellen Stellungnahmen. Für Somalia und den Libanon 2006 wird die Anwendung bestritten. Im Falle des Libanon deuten Untersuchungen von Explosionstypen und Kratern auf den Einsatz uranhaltiger Munition hin, wie der britische Independent berichtete (28.10.2006).
Die Frage ist freilich: Wie groß ist die Gefahr für Mensch und Umwelt? Schließlich handelt es sich bei DU um einen sogenannten Alphastrahler mit extrem geringer Reichweite. Schon in einem Meter Abstand sinkt die Strahlung auf schwer messbare Werte.
Die Vertreter der Ungefährlichkeitsthese (Pentagon, Nato, Bundesregierung, das Labor Spiez in der Schweiz) gehen von folgendem Szenario aus: Wenn man das bei der Verbrennung entstehende Gas nicht direkt während der Explosion einatmet, dann besteht keine Gefahr. Eine chemische Vergiftung mit dem Schwermetall DU sei gravierender als mögliche Auswirkungen durch Radioaktivität.
Die Vertreter der Gefährlichkeitsthese (etwa das Uranium Medical Research Center in Kanada) hingegen weisen darauf hin, dass die schwach radioaktiven Partikel in den Körper gelangen und auf verschiedene Organe wirken können. Bereits 1998 hatte das National Institute of Health der USA eine Untersuchung veröffentlicht, die einen Zusammenhang zwischen abgereichertem Uran und Krebserkrankungen zeigte: eine geringe Menge Alpha-Teilchen reiche aus, um aus Knochenzellen Krebszellen entstehen zu lassen.

Durch Uranmunition an Leukämie erkrankt
»Die unbequemste Wahrheit überhaupt«
Nach der Studie des »Arbeitsstabes Dr. Sommer« noch der Gefährlichkeitsthese nachzugehen, ist für Journalisten kein besonders karriereträchtiges Unterfangen. Das erfuhr der Kölner Filmemacher Frieder Wagner, der zusammen mit Valentin Thurn für den WDR den Dokumentarfilm »Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra« drehte.
Wagners Kronzeuge ist der deutsche Tropenarzt und Epidemiologe Prof. Dr. Siegwart-Horst Günther, der 1991 als Erster auf das Problem aufmerksam wurde. Im Universitätskrankenhaus von Bagdad waren ihm Menschen mit Krankheitssymptomen aufgefallen, die er in den 40 Jahren seiner Arbeit im Irak noch nie gesehen hatte: missgebildete Säuglinge, die bald starben; schwere Störungen der Nieren- und Leberfunktion; Krebs; genetische Schäden. Als Günther ein Geschoss aus dem Irak nach Berlin zur Untersuchung brachte, empfing ihn ein Spezialkommando der Polizei in Schutzkleidung und verschloss das Projektil in einem Spezialbehälter; Günther wurde wegen »Freisetzung ionisierender Strahlung« zu einer Geldstrafe verurteilt. 2003 kehrte er in den Irak zurück, in Basra stand er wieder vor denselben Problemen.
Nach der Erstausstrahlung im WDR-Spätprogramm (26.4.2004, 22.30 Uhr) wurde der Film einmal auf Phoenix wiederholt, dann war Ruhe. Folgeaufträge bekam Wagner nicht. Von anderer Seite wurde er geehrt: Er bekam den Europäischen Fernsehpreis der Ökomedia 2004 und etliche Einladungen, den Film auf Konferenzen und Podiumsdiskussionen zu zeigen, unter anderem beim UN-Menschenrechtsrat in Genf. Wagner erweiterte die Doku fürs Kino; diese Fassung mit dem Titel »Deadly Dust« war auf der Berlinale 2007 für den Preis »Cinema for Peace« nominiert.

An morbus guenter erkranktes Kind
Bilder: www.friedenskooperative.de
Wagner hat dennoch einen Spießrutenlauf hinter sich und sagt heute: »Uranmunition und die Folgen ist die wohl unbequemste Wahrheit überhaupt. Die Klimakatastrophe können wir rückgängig machen, wenn der politische Wille da wäre, die Folgen von DU nicht. Deshalb wird diese Wahrheit über Risiken durch Strahlung systematisch verschwiegen oder verharmlost.«
Ein Haufen Indizien
Es gibt eine ganze Reihe von Indizien, die darauf hindeuten, dass die Dr.-Sommer-Studie nicht der Weisheit letzter Schluss gewesen ist:
■ Nach den Atombombentests auf dem Bikini-Atoll (durch die USA) und in Polynesien (durch Frankreich) gab es unter den nicht evakuierten Bewohnern der umliegenden Pazifikinseln eine Zunahme diverser Krankheitsbilder, Missbildungen und Fehlgeburten. Diese ähneln heutigen Diagnosen sowohl von Zivilisten aus dem Irak und Afghanistan sowie von Kriegsveteranen aus jenen Konfliktzonen.
■ Im Irak haben die Missbildungen bei Babys dramatisch zugenommen. Während 1991 im Schnitt 3 von 1.000 Kindern mit Defekten zur Welt kamen, waren es 2001 schon 22 pro 1.000 – mit Schwerpunkt im damals heftig umkämpften Süden des Irak, so die britische Organisation Child Victims of War. Die besonders hohen Zahlen im Süden deuten auf eine Umweltbelastung hin und lassen sich nicht mit einer allgemein schlechten Gesundheitsversorgung durch Embargo oder Krieg erklären.
■ Etliche interne Papiere des Pentagon verweisen auf ein erhöhtes Gefährdungspotenzial. Es gibt sogar ein Trainingsvideo für US-Soldaten zum »schadlosen Verhalten beim Umgang mit radioaktiver Munition« von 1995 (Titel: »Heavy Metal Toxicity«), das jedoch nicht eingesetzt wird.
■ Der ehemalige Verantwortliche des Pentagon für den Einsatz von DU-Munition ist heute entschiedener Gegner: Colonel Douglas Rokke und sein Team wurden nach dem Golfkrieg 1991 zu Dekontaminationszwecken in den Irak geschickt. Er berichtet, dass er und alle anderen innerhalb von 72 Stunden nach Einsatzbeginn erkrankten – trotz Schutzkleidung. Nach zwei Jahren starben die Ersten aus dem Team (Spiegel 3/2001).
■ Noch ein ehemaliger Pentagon-Mitarbeiter hat die Seiten gewechselt: Der Arzt Asaf Durakovic untersuchte jahrelang Soldaten, die am »Golfkriegssyndrom« litten. Als er öffentlich die Vermutung äußerte, dass die Uranmunition Ursache allen Leidens sein könnte, wurde er entlassen. 1995 gründete er in Kanada das unabhängige Uranium Medical Research Center.
■ Kürzlich erschien das Buch »Afghanistan after Democracy« von Mohammed Daud Miraki, einem afghanischstämmigen US-Politikwissenschaftler. Er bringt seine Fotos missgebildeter Neugeborener in Zusammenhang mit DU-Munition.
■ Verteidigungsminister Rudolf Scharping hatte 2001 die Gefährdung der Soldaten im Kosovo durch Uranmunition für »vernachlässigbar« erklärt und sich dabei auf eine Untersuchung des GSF-Forschungszentrums in Neuhardenberg gestützt, die er selbst in Auftrag gegeben hatte. Das GSF hatte Urinproben von Soldaten analysiert. Solche Messungen seien nicht verlässlich, wenn sie in einem zu kurzen Zeitraum nach der Kontamination vorgenommen würden, kritisiert Dr. Gina Mertens von der Organisation Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW).
■ Selbst im GSF hat inzwischen ein Umdenken eingesetzt. Einer der Forscher sagt in Frieder Wagners Kino-Doku: »Wir haben in Laborversuchen untersucht, wie sich solches Uran-Material in simulierter Lungenflüssigkeit verhält. Und auch für uns etwas überraschend waren die Ergebnisse (…). Ein gewisser Teil dieses Materials, etwa ein Drittel, löst sich sehr rasch auf (…). Der andere Teil, etwa zwei Drittel, löst sich entweder nur sehr langsam oder vielleicht auch gar nicht auf. Solange es in der Lunge ist, strahlt es natürlich weiter, und je länger es in der Lunge ist, (…) umso höher ist die resultierende Strahlendosis.«
■ Im Februar 2004 erkannte ein britisches Gericht an, dass die Erkrankungen des Golfkriegsveteranen Kenny Duncan und die Chromosomenschäden seiner Kinder auf eingeatmeten Uranstaub zurückzuführen seien (BBC News 3.2.2004).
»Gezielte Desinformationskampagne«
Warum ignorieren also die Mainstream-Medien diese Fülle von Indizien? Das Thema dürfte schließlich alle Kriterien eines hohen Nachrichtenwertes erfüllen.
Es gibt offenbar Unbehagen in deutschen Redaktionen. Von einem eigenartigen Erlebnis berichtete Dr. Angelika Claussen, die Vize-Vorsitzende der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW), auf dem IPPNW-Kongress 2004 in Berlin. Im Januar 2003 habe sie als Teilnehmerin einer Friedensdelegation das Mutter-Kind-Hospital in Basra besucht und sei anschließend nach Bagdad zurückgekehrt. »Der ZDF-Reporter, der mich interviewte, meinte vorab: ‚Kommen Sie bloß nicht damit, dass die Ursache für die vielen an Leukämie erkrankten Kinder etwas mit DU zu tun haben könnte. Das wird unser Sender auf keinen Fall bringen!‘« (nachzulesen unter http://www.ippnw.de/Frieden/Uranmunition/)
Klar ist, dass mächtige Institutionen kein Interesse an einer Diskussion des Themas haben. Denn das internationale Recht sieht vor: Für die Beseitigung von Kriegsmaterial, vergifteten Böden und Wasser sind die Verursacher verantwortlich. Für zivile Opfer müssten sie sich vor dem Internationalen Gerichtshof verantworten.
Der Kanadier Dr. Pjotr Bein hat auf der Internationalen Urankonferenz in Hamburg 2003 zwei Strategien aufgezeigt, wie Nato und US-Führung versuchen würden, der Verantwortung für den Einsatz radioaktiver Massenvernichtungswaffen zu entgehen. Er spricht von einer »gezielten Desinformationskampagne«.
Der erste Teil der Strategie sei die Forderung nach einem monokausalen Beweis für einen Zusammenhang zwischen dem Vorkommen von abgereichertem Uran und den Erkrankungen. Der zweite Teil sei es, eine Forderung nach Ächtung der Waffen zuzulassen, wie sie etwa von der International Coalition to Ban Uranium Weapons (ICBUW) erhoben wird. Denn eine solche Forderung setzt niedriger an als bereits geltendes Recht: Laut Menschen- und Völkerrecht, der Genfer und Haager Konvention sind solche Waffen illegal, die über konkrete Kampfhandlungen hinaus Menschenleben kosten. Suggeriert man aber, dass diese Waffen erst geächtet werden müssen, dann hat das die logische Konsequenz, dass die Langzeitfolgen erst zweifelsfrei nachgewiesen werden müssen. Die dazu notwendigen systematischen Untersuchungen wisse man zu verhindern.
Entsprechend schloss eine Stellungnahme von kritischen Ärzten und Wissenschaftlern über die Folgen von DU-Munition 2004 mit dem Fazit: »Es ist aus ärztlicher Sicht zu kritisieren, dass wissenschaftliche Untersuchungsmethoden zu Uranmunition nicht in den regierungsamtlichen Forschungen angewandt werden. So entsteht der Eindruck, dass die von der US-amerikanischen und der britischen Regierung durchgeführten Studien nicht der Aufklärung, sondern der Verschleierung dienen.« Erhärtet werde dies dadurch, dass sich der Uno-Sicherheitsrat auf Druck der USA 2001 geweigert habe, systematische Studien der WHO zur Ursachenaufklärung der Kinderkrebserkrankungen im Irak durchführen zu lassen.
Zusätzlich zur Behinderung der Aufklärung spielt sicher auch die Selbstreferenzialität der Medien eine Rolle. Als ich die Nahost-Korrespondentin einer renommierten deutschen Wochenzeitung im Februar 2007 am Rande einer Konferenz fragte, ob sie zu einem möglichen Einsatz von Uranmunition im Süden des Libanon recherchiere, gab sie zur Antwort: »Wenn das ein relevantes Thema wäre, dann würden die Medien ja darüber berichten.«
Einige berichten freilich noch: Randgazetten wie Junge Welt, Neues Deutschland und Zeit-Fragen, Internetmedien wie telepolis.de und politblog.net. Doch nur selten taucht etwas im Mainstream auf. (PK)..
Dr. Sabine Schiffers hier leicht gekürzter Beitrag erschien zuerst in der internationalen Zeitschrift für Journalismus MESSAGE unter www.message-online.com/
Quelle:www.nrhz.de
Ex-Spion warnt vor Angriff Israels auf Iran
Der ehemalige Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad hat vor schnellen Fortschritten Irans beim Bau einer Atombombe und einem möglichen israelischen Militärschlag dagegen gewarnt.
“Unsere nachrichtendienstliche Erkenntnis ist, dass wir noch etwa ein Jahr oder weniger haben, bevor der Iran eine Atombombe hat”, sagte Danny Yatom der FTD. Er warnte davor, dass sein Staat als letztes Mittel zu einem militärischen Einsatz gegen Teherans Atomanlagen bereit wäre.
“Ich will manche Dinge nicht explizit aussprechen”, sagte Yatom. Sollte sich die Situation im Iran aber “sehr schlecht” entwickeln, werde Israel “nicht dasitzen und nichts tun”. Der ehemalige Geheimdienstler und General ist Teil einer größeren Gruppe israelischer Parlamentarier, die in diesen Tagen bei zahlreichen Gesprächen im Ausland für eine harte Linie gegen den Iran werben.
Trotz internationaler Sanktionen weigert der Iran sich bislang, die Anreicherung von Uran aufzugeben. Teheran behauptet, sein Atomprogramm habe zivile Ziele, große Teile der internationalen Gemeinschaft vermuten aber, dass der Iran Nuklearwaffen bauen will. Israel ist besonders alarmiert, da Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad wiederholt davon gesprochen hat, Israel von der Weltkarte tilgen zu wollen.
Sanktionen gegen den Iran seien nötig, sagte Yatom. Sie würden das Regime aber nicht notwendigerweise von seinen Nuklearplänen abbringen. “Ich bin etwas pessimistisch, was Sanktionen angeht. Aber das sind Stadien, die durchlaufen werden müssen, wenn man die internationale Gemeinschaft zusammenhalten will und im Notfall etwas anderes tun muss”, sagte Yatom. “Noch haben wir Zeit, es zu verhindern. Aber ein Iran mit einer Atombombe wäre ein Problem für die ganze Welt, nicht nur für Israel.”
Yatom warb für entscheidend härtere Sanktionen gegen Teheran, die auch die Zivilbevölkerung treffen könnten. “Die iranische Bevölkerung muss verstehen, dass sie zu viel bezahlen für die Pläne ihres Regimes”, sagte Yatom. Beispielsweise könne man den Iran hart treffen, indem man seinen Ölexport einschränke oder stoppe. Das Regime sei sensibler für internationalen Druck, als es die Äußerungen der Führung vermuten ließen.
Quelle:www.ftd.de
Zornige Debatte um Prinz Harrys Einsatz - Verherrlichen diese Bilder den Krieg?
Düsseldorf (RPO) Schauen Sie sich diese Bilder genau an. Sie zeigen Prinz Harry bei seinem Militäreinsatz in Afghanistan. In Großbritannien streitet die Öffentlichkeit über sie. Der Vorwurf: Sie verharmlosen den Krieg und zeichnen ein romantisches Bild Afghanistans. Kritiker sagen: Harrys Einsatz ist nichts weiter als eine zum Himmel stinkende Propaganda-Nummer.
Eigentlich hatten die Medien und das britische Militär in einem Gentleman’s Agreement vereinbart, nicht über den Einsatz Harrys zu berichten, um den Prinzen nicht zu gefährden. Im Gegenzug zu der freiwilligen Nachrichtensperre durften Journalisten den Prinzen in Afghanistan besuchen, Interviews und Fotos machen. Die Auflage: Keine Veröffentlichung, bis der Prinz sicher aus dem umkämpften Land zurückgekehrt ist.
Ende der vergangenen Woche brach die mit britischen und internationalen Medien vereinbarte Nachrichtensperre ein. Eine US-Website berichtete und berief sich ihrerseits auf den Bericht einer australischen Zeitschrift vom Januar.
Die Resonanz war gewaltig. Der Blätterwald rauschte, die Medien überschlugen sich. Manche britischen Zeitungen sollen dem Einsatz des Prinzen ganze zwölf Seiten gewidmet haben. Die Nachrichtenagenturen schickten zahlreiche Bilder eines sonnengebräunten Harry. Die Aufnahmen zeigen, wie er mit freiem Oberkörper Football spielt, mit Kameraden das Frühstück aus einer Blechdose teilt und Einheimischen erste Hilfe gibt.
Das Königreich schwärmte spontan von seinem neuen Helden. Die britischen Boulevardblätter feierten Harry überschwänglich. „Er tötete 30 Taliban“, hieß es da, zeigte „herausragenden Mut“. Premierminister Gordon Brown lobte ihn als “vorbildlichen Soldaten” und das Massenblatt “The Sun” nannte ihn “einen Mann, der seinen Kopf riskiert, um mit seinen Kameraden seinem Land zu dienen”.
Jeden Tag soll er unter feindlichem Beschuss gestanden haben. Harry selbst bekräftigte, wie sehr ihm der Kampfeinsatz mit seinen Kameraden am Herzen lag. In Afghanistan habe er “in der gleichen Uniform wie viele andere eine der besten Möglichkeiten, einfach ein normaler Mensch zu sein”, sagte Harry. Die Armeeführung rieb sich die Hände und freuten sich über beste Werbung für den umstrittenen Einsatz und das Militär.
Zunehmend Kritik
Nun aber mehren sich die kritischen Stimmen. Die Bilder und der Einsatz seien eine reine Propaganda-Nummer, schimpfte der Guardian. Von Toten, von Versorgungsknappheit keine Rede. Geschweige denn von der zweifelhaften Legitimität des umstrittenen Einsatzes in dem umkämpften Land und der Aussichtslosigkeit ihn zu gewinnen.
Auch der Boulevard hat schon die Empörung entdeckt. Die Daily Mail veröffentlichte einen Bericht über einen Vater, der seinen Sohn im Afghanistan-Einsatz verloren hat und dem Verteidigungsministerium schwere Vorwürfe macht. Auch er spricht von Kriegspropaganda. Sein Sohn starb, weil er angeblich waffentechnisch hoffnungslos unterlegen war. Die Resonanz auf Prinz Harrys Einsatz empfinde er einfach nur noch als zynisch.
Urteilen Sie selbst. Sind diese Bilder Propaganda?
Quelle:www.ngz-online.de
Sanktionen gegen den Iran? - Der Weltsicherheitsrat setzt sich ohne Not unter Druck
Mit der neuen Iran-Resolution, die dem Iran 90 Tage Zeit läßt, „offene Fragen“ der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zu beantworten, hat sich der Weltsicherheitsrat keinen Gefallen getan. Zwar wurde der Beschluß, dessen Zustandekommen auf Wunsch von Südafrika und Vietnam immer wieder verschoben worden war, mit 14 Stimmen bei einer Enthaltung (Indonesien) angenommen, aber wie geht es nun weiter. Im Effekt hat sich die UNO nur selbst unter Druck gesetzt.
Tatsächlich interpretieren die Staaten, die zugestimmt haben, ihren Beschluß sehr unterschiedlich. Während US-amerikanische Offizielle bei jeder Gelegenheit betonen, in Sachen Iran sei „keine Option“ vom Tisch, beeilte sich der chinesische Außenminister Wang Guangya mitzuteilen, mit der Resolution seien keine praktischen Sanktionen verbunden, der Handel werde nicht erschwert. Rußland erklärte gleich, das Atomkraftwerk Buschehr (Merke: wurde von Rußland gebaut) sei ohnehin nicht betroffen. So bleibt eigentlich nur eine vage Aufforderung, bei Handeslbeziehungen mit dem Iran „wachsam“ zu sein. Die USA werden wohl schärfer reagieren und ihre europäischen Verbündeten bedrängen.
Real hat die Resolution zwei Auswirkungen: zum einen werden noch vorhandene US-amerikanische und europäische Handelsbeziehungen jetzt durch russische und chinesische ersetzt. Zum zweiten wird der Iran weiter verärgert reagieren und seine Haltung letztlich verhärten. Die Vorstellung, den Iran wirklich mit Hilfe eines Wirtschaftsembargos in die Knie zu zwingen, hat etwas Rührendes. Im Gegenteil: Die Möglichkeit, daß der Iran ein auch militärisches Atomprogramm, wenn er es nicht schon hat, entwickelt, ist eher größer geworden. Achmadinedschad kann sich darauf berufen, daß der Iran nichts tue, was gegen irgendeinen völkerrechtlich bindenden Vertrag verstoße und auch daß offenkundig mit zweierlei Maß gemessen werde. Alles richtig. Auch haben selbst US-amerikanische Militärexperten, darunter aktive Generäle eingeräumt, daß der Iran wohl kaum mit wenigen Atomwaffen Israel oder gar die USA angreifen werde. Dies wäre glatter Selbstmord.
Bleibt die Frage, warum dermaßen viele Staaten unter Federführung Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens dieser Resolution zustimmten. Man kann nur vermuten, daß die Großmächte Rußland und China nicht unnötig an dieser Stelle auf Konfrontation mit den USA gehen wollten und erstmal ausgewichen sind. Man hat immerhin Zeit gewonnen, Zeit, in der die Amtszeit des Präsidenten George W. Bush weiter ausrinnt. Doch ob sich dann etwas bessert? Alle drei relevanten Kandidaten in den USA sind „Falken“. Vielleicht laufen auch hinter den Kulissen diplomatische Bemühungen. Doch nutzen kann diese Resolution – wenn überhaupt – nur denjenigen, die mit der Option Krieg spielen. Das wäre von allen denkbaren Lösungen die Schlechteste.
Quelle:www.berlinerumschau.com
Schwere Vorwürfe an Bush-Regierung - USA Steigbügelhalter von Hamas
Ungewollte Hilfe für die Hamas: Laut US-Magazin “Vanity Fair” soll die US-Regierung im Sommer 2007 den palästinensischen Bürgerkrieg ausgelöst haben. VON KARIM EL-GAWHARY
KAIRO taz US-Außenministerin Condoleezza Rice ist in den Nahen Osten gekommen, um zu retten, was zu retten ist. Nach einer blutigen Woche im Gazastreifen versucht sie Israelis und Palästinenser wieder an den Verhandlungstisch zu bringen. Doch bereits auf ihrer ersten Station in Ägypten gerät sie selbst unter Beschuss. Journalisten fragen sie nach einem Bericht im US-Magazin Vanity Fair, den die oberste US-Diplomatin weder dementieren noch bestätigen wollte.
Als “eine Mischung aus Iran-Contra-Affäre und gescheiterter Schweinebucht-Invasion auf Kuba 1961″, beschreibt das Magazin eine verdeckte Operation der US-Regierung, durch die die gewählte Hamasregierung im Gazastreifen letzten Sommer habe gestürzt werden sollen. Stimmt der Bericht, dann ging der Schuss nach hinten los. Das Magazin behauptet, die geheime Operation habe den Bürgerkrieg ausgelöst, der dazu führte, dass Hamas den gesamten Gazastreifen militärisch und politisch übernommen hat.
Vanity Fair liegen nach eigenen Angaben geheime Dokumente vor, aus denen hervorgehe, dass US-Präsident George W. Bush einen Plan abgesegnet habe, der dann von Rice und dem Nationalen Sicherheitsberater Elliott Abrams weitergetragen worden sei. Nachdem die US-Regierung vom Wahlsieg der Hamas im Januar 2006 überrascht worden war, habe sie versucht, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zunächst zu überzeugen, den Ausnahmezustand auszurufen und die Hamasregierung abzusetzen. Dann sollten mithilfe der arabischen Verbündeten Washingtons, allen voran Ägyptens, der Fatah-Sicherheitsapparat ausgerüstet und trainiert werden - mit dem Ziel, die Hamasregierung zu stürzen. Die Schlüsselrolle soll der Fatah-Sicherheitschef in Gaza, Mohammed Dahlan, gespielt haben. Über ihn habe US-Präsident Bush gesagt, “Dahlan ist unser Mann”, schreibt das Magazin unter Berufung auf gleich drei nicht namentlich genannte US-Regierungsbeamte. Als Mittelsmänner werden der US-Generalkonsul in Jerusalem, Jake Walles, und der US-Sicherheitskoordinator für die Palästinenser, Keith Dayton, genannt. Teile des Planes sollen schon zuvor durchgesickert sein, etwa als eine israelische Zeitung im Juni letzten Jahres berichtet hatte, Abbas und Dayton hätten die israelische Regierung gebeten, eine ägyptische Waffenlieferung für Fatah mit dutzenden gepanzerten Fahrzeugen, hunderten panzerbrechenden Granaten, tausenden Handgranaten und mehreren Millionen Patronen zuzulassen, nur wenige Tage, bevor die neuen in Ägypten trainierten Fatah-Rekruten zurückkehrten.
Kurz darauf brach der Bürgerkrieg im Gazastreifen aus, der damit endete, dass Hamas in nur einer Woche die Kontrolle über den gesamten Gazastreifen gewann. “Für mich sieht das so aus, als ob das kein Staatsstreich von Hamas war, sondern ein Putsch von Fatah, der verhindert worden ist”, erklärt der neokonservative ehemalige Nahostberater von US-Vizepräsident Dick Cheney, David Wurmser, gegenüber Vanity Fair und beschreibt, wie kontrovers der Plan innerhalb der US-Regierung diskutiert wurde. “Wir haben uns gegenseitig zerrissen”, erinnert er sich. Wurmser hatte nur wenige Wochen nach der Machtübernahme von Hamas seinen Rücktritt eingereicht.
Rice antwortete in Kairo nur vage auf die Vorwürfe. “Wenn die Hamas vom Iran ausgerüstet wird und niemand hilft, die Fähigkeiten des Sicherheitsapparates der legitimen palästinensischen Regierung zu verbessern, dann ist das eine ungute Situation”.
Quelle:www.taz.de
Kopenhagen weiter gegen Verbot von Streumunition
Nach wie vor werden Soldaten für den Gebrauch von “Clusterbomben” ausgebildet - Regierung für Ausnahmen von Totalverbot, bis “bessere Alternativen” gefunden sind.
Kopenhagen - In der dänischen Armee werden Soldaten weiterhin für den Gebrauch von Streumunition ausgebildet. Das berichtete die Tageszeitung “Dagbladet Information” am Montag unter Berufung auf die Antwort von Verteidigungsminister Sören Gade auf eine entsprechende Anfrage eines sozialdemokratischen Abgeordneten. Die rechtsliberal-konservative Regierung in Kopenhagen stellte sich zuletzt gegen das von mehreren Staaten, darunter Österreich, angestrebte Totalverbot der umstrittenen Waffen. Laut dem Verteidigungssprecher der Konservativen, Tom Behnke, soll Dänemark die auch als “Clusterbomben” bekannte Munition in ihren Arsenalen erst dann gänzlich abschaffen, wenn “bessere Alternativen” gefunden seien. Die dänischen Sozialdemokraten - derzeit in der Opposition - wollen dagegen ein internationales Totalverbot erreichen. Streumunition gilt - ähnlich wie die bereits international geächteten Landminen - wegen der nach Kampfhandlungen fortdauernden Gefährdung von Zivilpersonen als eine besonders brutale Waffenart.
Ächtung von Streumunition
Dänemark und eine Reihe anderer europäischer Staaten - Deutschland, Finnland, Großbritannien, Italien, die Niederlanden, die Slowakei, die Schweiz und Tschechien - fordern im Rahmen des angestrebten internationalen Abkommens zur Ächtung von Streumunition Ausnahmen für Produkte mit einer niedrigen Blindgängerrate. Die von den Herstellern derartiger Waffen angegebenen Fehlerquoten bei der zeitgerechten Explosion der Teilsprengköpfe wird durch Tests aber immer wieder infrage gestellt.
Der nach dem Initiativland Norwegen benannte Oslo-Prozess zur Ächtung von Streubomben wird von Österreich vorbehaltlos unterstützt. Zuletzt fanden in Wien (Dezember) und im neuseeländischen Wellington (Februar) Folgekonferenzen statt. Abschließende Verhandlungen sind im Mai in Dublin geplant. Dort hoffen die Befürworter der Kampagne auf die Unterzeichnung eines internationalen Abkommens. Dass ein Totalverbot erreicht werden kann, erscheint nach den bisherigen Verhandlungen eher unwahrscheinlich. (APA)
Quelle:derstandard.at
Will Kolumbien Krieg?
Von Harald Neuber
Nach einer Militärintervention Kolumbiens in Ecuador hat sich die Lage in der Region massiv zugespitzt. In einer koordinierten Aktion hatten die Luftwaffe und das Heer in der Nacht zum Sonntag ein Lager der Guerillaorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC) auf ecuadorianischem Boden angegriffen. Der Kommandant und internationale Sprecher der FARC, Raúl Reyes, sowie 16 weitere Rebellen wurden von der Attacke im Schlaf überrascht und getötet.
Aus Protest gegen den Bombenangriff und den Vorstoß von Bodentruppen Kolumbiens hat die ecuadorianische Regierung am Sonntag ihren Botschafter aus Bogotá abgezogen. Auch wurde der Chef der kolumbianischen Vertretung aus dem Land ausgewiesen. Die venezolanische Regierung brach die Kontakte zu Bogotá ebenfalls ab. Die Präsidenten der beiden Nachbarstaaten Kolumbiens, Rafael Correa und Hugo Chávez, ordneten zudem eine Teilmobilisierung ihrer Truppen an. Verbände wurden an die Grenze zu Kolumbien zusammengezogen, um neuerliche Aggressionen zu vermeiden. Allein Venezuela entsandte mehrere Panzerbataillone und Einheiten der Luftwaffe an die Demarkationslinie.
Während in Bogotá der »bisher schwersten Schlag gegen die FARC-Guerilla« gefeiert wurde, übte Chávez scharfe Kritik an der Aktion. Den Angriff auf das Lager der Guerilla sei ein »Massaker« gewesen. »Wir werden nicht erlauben, daß Kolumbien zu einem Israel Lateinamerikas gemacht wird«, sagte Chávez in bezug auf die enge Kooperation von Präsident Alvaro Uribe mit den USA: »Auf die gleiche blutige Weise wie in diesen Tagen Gaza bombardiert wird, hat Uribe gestern das ecuadorianische Staatsgebiet angreifen lassen«. Es habe sich dabei nicht um einen Schlag gegen die FARC gehandelt, »sondern gegen den Frieden«, so Chávez weiter. Mit der Ermordung des Rebellensprechers habe Bogotá eine diplomatische Lösung des kolumbianischen Konfliktes verhindern wollen. Auch müsse die Aktion als Angriff auf das Regionalbündnis »Union der Südamerikanischen Staaten« verstanden werden.
Ecuadors Präsident Correa übte ebenfalls scharfe Kritik an dem militärischen Einfall. Nach einem ersten Telefonat mit Uribe bezichtigte er seinem Amtskollegen der Lügen. Kolumbiens Präsident habe ihm den Ablauf der Aktion falsch geschildert, sagte Correa, der ebenso wie Venezuela Truppen an die Grenze entsandte. Nach Informationen der argentinischen Tageszeitung Clarín wurden die FARC-Rebellen auf ecuadorianischem Territorium exekutiert. Der 59jährige Reyes sei zunächst von Bombensplittern verletzt worden. Erst als Mitkämpfer ihn in eine nahegelegene Ortschaft bringen wollten, seien sie von nachrückenden Bodentruppen mit gezielten Schüssen hingerichtet worden, schrieb die Zeitung unter Berufung auf einen anonymen Augenzeugen.
Ecuador verlangte von der kolumbianischen Regierung inzwischen eine Entschuldigung und eine Wiedergutmachung eventuell entstandener Schäden. Anstatt dieser Aufforderung nachzukommen, reagierte die Führung in Bogotá mit – diesmal verbalen – Attacken. Angeblich seien auf dem Rechner von Reyes Dokumente gefunden worden, die Kontakte zwischen den Rebellen und der Staatsführung Ecuadors belegen. Kolumbiens Polizeichef Oscar Naranjo behauptete am Sonntag in Bogotá gar, die FARC hätten in Absprache mit der Regierung in Quito einen »Aktionsplan« ausgearbeitet. Ecuador wies diese Vorwürfe umgehend zurück. Kolumbien warte nun mit »Lügen« auf, um den Angriff auf das Nachbarland im nachhinein zu rechtfertigen.
Quelle:www.jungewelt.de
US-Luftwaffe bombardierte Stadt - Berichte über mehrere Todesopfer
Mogadischu - US-Kampfflugzeuge haben am Sonntagabend zwei Häuser in der südsomalischen Stadt Dobley nahe der Grenze zu Kenia bombardiert. In den Häusern soll sich angeblich der Islamistenführer Hassan Turki aufgehalten haben. Mindestens sechs Menschen seien bei dem Luftangriff getötet worden. Turki soll Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida haben. Einwohner der Stadt berichteten, er habe sich in Dobley aufgehalten, um in einem Konflikt zwischen seinen Milizen und Regierungstruppen zu vermitteln.”Ich wachte von lauten Einschlägen auf, die meine Türen und Fenster erschütterten”, berichtete Saed Abdulle, ein Einwohner von Dobley. “Flugzeuge flogen in niedriger Höhe und schossen.” Die USA hatten schon im Jänner vergangenen Jahres Kampfflugzeuge eingesetzt, um die somalische Übergangsregierung bei der Bekämpfung von Islamisten zu unterstützen. Es wird vermutet, dass sich im Süden Somalias auch Verantwortliche für die Sprengstoffanschläge auf die US-Botschaften im Kenia und Tansania 1998 aufhalten.
Die Übergangsregierung in Somalia hatte Anfang 2007 mithilfe äthiopischer Truppen die Union der islamischen Gerichte vertrieben. Sie konnte das seit Anfang der 1990er-Jahre von Bürgerkrieg geprägte Land aber nicht unter Kontrolle bringen. Allein in Mogadischu kamen im vergangenen Jahr rund 6000 Menschen ums Leben, etwa 600.000 flohen vor der Gewalt. Am Sonntag waren bei Kämpfen zwischen Truppen und islamischen Rebellen mindestens 17 Menschen getötet worden. (dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 4.3.2008)
Quelle:derstandard.at

